Ich finde keinen Denker
Gedanken entstehen,
Gedanken verwehen,
nichts ist geschehen.
Leben bleibt einmalig. Es ist nicht reproduzierbar. Ist das Alte und das Neue nicht auch nur ein Gedanke?

Gedankenmaschine
Sind wir uns fremd?
2026 | Materialcollage | 120 x 90 cm
Wer macht sich denn hier Gedanken?
Kann ich mir Gedanken machen? Ist das ein willentlicher Prozess? Nutze ich lebendiges Denken oder belebe ich Gedanken?
Ist ‚ICH BIN‘, der erste, reine Denkimpuls, frei von der Identifikation mit wem oder was? Also vor der Vor-Stellung, ich bin der oder die aus XYZ?
In ‚ICH BIN‘, ist alles enthalten. Eine lichtvolle Fülle in Leere. ‚ICH BIN‘ ist klar, unumstößlich, einfach, so ist es!
‚Ich bin‘, in der Identifikation mit wer oder was, ist ein Gedanke.
‚Ich bin‘, in Identifikation, ist gespalten, erschafft scheinbar eine Trennung, ein Gegenüber, erschafft das Suchen nach dem Ursprung. BIN ICH mir im Klaren, in meiner Körperlichkeit ein Teil des Lebendigen zu sein, eingefügt in Ordnung, erlebe ich alles in Ordnung und genieße Leben in seiner vielfältigen Ausdrucksweise.
Verteidige ich Identifikation, entstehen daraus Verwirrung, Furcht, das Gefühl, verloren zu sein: Kampf, Krieg, leidvolles Leben. Die Identifikation mit dem imaginären Denker, der ja auch nur ein Gedanke ist, führt zu Stückwerk. Ich erkenne die Dinge nur in einem ganz begrenzten Rahmen, gemäß meiner Konditionierungen, meiner Erfahrung, meines mir zur Verfügung stehenden Wissens. Verteidige ich diese, als die allein richtige Erkenntnis, erlebe ich Kampf und Begrenzung. Lebendiges Denken und Empfindungen sind frei von einem individuellen Denker. Sie sind Ausdruck von Lebendigem, Ursprünglichem und nicht zu machen.
Was ist nun also das sogenannte ‚Gedankenmachen‘? Wir assoziieren es z.B. mit Sorgen machen. Ich schaue hin und entdecke, dass es immer die gleichen Gedankenmuster sind, die in mir auftauchen, zwar in Variationen, doch das Grundthema ist das Gleiche. Ich erlebe mich in Dramen verstrickt in denen ich Held und Opfer zu gleich bin.
Meistens tauchen sie auf, wenn ich vor mich hindämmere, frühmorgens vor dem Wachsein, oder wenn ich reflektiere: „Oh, es ist alles wunderbar, es ist so schön!“
Dann kommt der Schreck: „Oh, es ist alles in Ordnung, ich muss nichts dafür tun. Es ist schön! Die Welt ist ein friedlicher, sanfter Ort!“ Oh, ist sie das wirklich? Täusche ich mich nicht? Darf ich die Welt so friedlich erleben, wo es doch ringsherum Not, Krieg und Kampf gibt?“
Alles Gedanken. Woher kommen sie? Ich belebe sie, wenn ich nicht wach bin. Bin ich nicht achtsam, folgt aus einem Gedanken viele und die dazugehörigen gespeicherten Gefühle. Gedanken sind nicht frisch. Sie gründen im Konditionierten. Sie sind schon Gemachtes und folgen immer wieder gleichen Mustern. Entdecken ist unmittelbar: „Ah, so ist es!“ ‚Gedankenmachen‘ gründet im Zweifeln, im Nicht-Trauen und in der Starre, Leben kontrollieren und Besitzen zu wollen.
Doch wer oder was will Leben besitzen und kontrollieren? Ich. Ich identifiziere mich mit einem getrennten Dasein, sonst könnte ich mir ja keine Gedanken machen.
Die Identifikation mit Gedankenkonstrukten erlebe ich in mir als Widerstand und Unbehagen, als unlebendig. Gedanken, welcher Art auch immer, können mir nützen. Sie zeigen mir auf, dass ich gerade wieder eine Vor-Stellung inszeniere. Ich bin mit meiner eigenen Bühneninszenierung beschäftigt. Das Leben lässt mich gewähren. Es bleibt gleichermaßen wundervoll. Während ich dies schreibe, schaue ich auf die sich im Wind wiegenden Bäume, höre den Ruf der Amsel, die Nachbarskinder feuern sich beim Ballspielen an und der Kater sitzt auf der Veranda und schaut auf das Treiben im Vogelhaus. Leben pur—wunderbar! Vor dem ‚Gedanken-machen‘ ist alles frisch und neu, in Ordnung vollkommen erfüllt. Das ist einfach. Da ist niemand, der sich Gedanken macht. Leben pur!

Der große Umbau – Mensch
Sind wir uns fremd?
2026 | Materialcollage | 120 x 90 cm

Haus der Sonderung – Illusion
Sind wir uns fremd?
2026 | Materialcollage | 120 x 90 cm
Teil der Serie Sind wir uns fremd?.